Lesbenring e.V.


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Lesbenring-Schlagzeilen

Denk mal!

Als ich das letzte Mal in Berlin war, war es noch eine Baustelle, versteckt hinter einer Bretterwand. Mittlerweile ist es offiziell eingeweiht worden, so ganz offiziell mit Protokoll und Presseerklärungen.
Auch der Lesbenring war eingeladen und durch die Berlinerinnen vertreten.

Die Rede ist vom Denkmal für die vom Nationalsozialismus verfolgten Lesben und Schwulen im Berliner Tiergarten. Jede kann es leicht finden, steht es doch genau gegenüber dem Stelenfeld
für die Opfer des jüdischen Holocaust. Etwas eingerückt umgeben von Wiesen und Sträuchern. Es ist ein schöner Platz, um sich zu treffen, einen Moment innezuhalten, zu erinnern und über dies und das nachzudenken. Nun gab es im Vorfeld der Errichtung unendlich viele mehr oder weniger
produktive Diskussionen, die ich an dieser Stelle nicht wiederholen möchte.

Was fällt auf, wenn die Betrachterin nun vor der realisierten Variante des Bauwerks steht? Ja, das Denkmal erinnert entfernt an die Stelen des Feldes nebenan, es steht abseits, etwas von schräg nach que(e)r, es ist deutlich größer als die einzelnen Stelen, die sich zum Feld fügen.

An dem Vormittag, als ich das Denkmal besuche, regnet es. Gerade ist ein frühsommerlicher Platzregen niedergegangen, trotzdem bin ich nicht die einzige Besucherin am Denkmal. Ein junger Schwuler lehnt sein Fahrrad an den Betonquader, um sich den im Innern des Denkmals gezeigten Film in Ruhe anzusehen: Eine schöne, zärtliche Kussszene zwischen zwei Männern. Nein, geschlechtsneutral, wie die Künstler im Vorfeld versprochen hatten, ist die Filmsequenz nicht ausgefallen. Da bleibt abzuwarten, wie die filmische Umsetzung durch eine lesbische Künstlerin in zwei Jahren aussehen wird.

An der begleitenden Texttafel stehen außer mir noch zwei Lesbenpaare, dicht gedrängt unter Schirmen, denn der Regen hatte nur eine kurze Pause eingelegt. Der Text berücksichtigt die
unterschiedliche Art und Weise, wie Lesben und Schwule in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurden. Er weist auf die Fortsetzung der Diskriminierung sowohl in der BRD, als auch in der DDR hin. Allerdings ist dort ein Lapsus unterlaufen: Es wird nur die Jahreszahl für die Aufhebung des Strafbestandes Homosexualität in der BRD genannt. Die Jahreszahl für die DDR fehlt leider, was den falschen Eindruck erweckt, Homosexualität wäre in der DDR bis zur Wende strafbar gewesen.

Verschweigen verzerrt Geschichte, insbesondere da die Erwähnung der Jahreszahl gezeigt hätte,
dass schwullesbische Rechte auf der westlichen Seite erst später durchgesetzt wurden.
Da der Tag so gründlich verregnet ist, zieht es mich ins Museum. Schon lange will ich ins Jüdische Museum, bisher hat bei keinem meiner Berlin-Besuche die Zeit dafür gereicht. Das Museum spricht für sich selbst, ist eines der sehenswertesten, das ich als passionierte Museumsgängerin je besucht habe. Die Sensibilisierung für jede Art von Diskriminierung ist in jedemTeil der Ausstellung, aber auch im wohl durchdachten System der Aufzüge und gut berollbaren Flure spürbar. Besonders zu empfehlen ist jedoch die derzeitige Sonderausstellung Klischees über Juden und andere.

Mit einer Auswahl an Alltagsgegenständen, Spielzeug, Kunstobjekten, Filmszenen, Musikbeispielen,
Werbepostern und Büchern wird gezeigt, wie Klischees – auch zu Genderrollen und Homosexualität
übrigens – geprägt und lebendig gehalten werden. Aufgeworfen wird die Frage, wo die Grenze verläuft zwischen Reproduktion und kritischem Zitieren zwecks Sichtbarmachung oder Brechung des Klischees. Eine großartige Ausstellung, um über eigene Bilder und Vorurteile, über Identität sowie Ein- und Ausschlüsse nachzudenken.


Elke Heinicke
Lesbenring-INFO August/September 2008



Gründung des „Qultur e.V.

Am Samstag, 17.05.08, war der weltweite Tag der Aktionen gegen Homophobie. Während an zwei Stellen in Berlin bei Kiss-ins munter drauflos geküsst wurde, gründete sich nur ein paar U-Bahn-Stationen weiter in der Berliner Kulturbrauerei der fortan bundesweit agierende Verein "Qultur e.V.". Ziel des Vereins wird die Förderung der lesbisch-schwulen Literatur und die Organisation eines Literaturfestivals mit internationaler Beteiligung sein.

Alle Aufgaben und Ämter wurden paritätisch vergeben. Zu den Gründungsmitgliedern gehören u.a. die Verlegerinnen Claudia Gehrke (Tübingen) und Andrea Krug, Dagmar Schadenberg (Berlin), WissenschaftlerInnen wie Prof. Dr. Gertrud Lehnert (Universität Potsdam) und Prof. Dr. Dieter Ingenschay (Humboldt-Universität), der Münchner Stadtrat Thomas Niederbühl, Autorinnen und Autoren wie Madeleine Marti, Dr. Michael Roes sowie und Dr. Thomas Wohlfahrt von der Literaturwerkstatt Berlin. Als Autorinnen, Rezensentinnen und für den Lesbenring unterzeichneten Jule Blum und Dr. Elke Heinicke das Gründungsprotokoll.

Weitere Informationen unter www.qulturverein.de (derzeit noch im Aufbau). Ansprechpartner sind die Vorstandsmitglieder Andrea Krug (info@krugschadenberg.de) und Joachim Bartholomae (bartholomae@maennerschwarm.de).


Elke Heinicke
Lesbenring-INFO August/September 2008

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